Grüne Bammental

Kreisverband Kraichgau-Odenwald

Ja, das geht, wenn die Veranstaltung - wie das GRÜNE Frauenfrühstück am 24. Juni im Familienzentrum - dazu beiträgt, ein Bewusstsein für die Entstehung und mögliche Beseitigung von Hunger in der Welt zu schaffen. Es ging nämlich um die Frage, inwiefern Europa zum Hunger in Afrika und damit auch zu einer der globalen Fluchtursachen beiträgt.

Als Referentin hatten die GRÜNEN Charlotte Dreger eingeladen, die sich ehrenamtlich bei FIAN (FoodFirst Informations- und Aktionsnetzwerk) engagiert. FIAN ist eine internationale Menschenrechtsorganisation, die sich weltweit für das Recht auf Nahrung einsetzt und versucht, den Hungernden Gehör zu verschaffen.

Zunächst präsentierte Frau Dreger einige Fakten über Hunger. Auf der Welt leidet heute etwa jeder neunte Mensch Hunger. Von ihnen sind rund 70 % Frauen, 80 % leben auf dem Land. Akuter Hunger infolge von Krisen, Krieg oder Naturkatastrophen betrifft "nur" 10 % der Fälle; 90 %  leiden unter chronischem Hunger, also dauerhafter Unterernährung, wobei es oft auch an sauberem Wasser und Gesundheitsversorgung mangelt. Und, was manche Zuhörerin erstaunte: Auf der Welt sind genug Nahrungsmittel vorhanden, sie sind nur nicht richtig verteilt!

Von den fünf Hauptursachen für Hunger in ländlichen Gebieten griff die Referentin die des Landgrabbings (Landraub oder Landnahme) heraus. Darunter versteht man die Strategie internationaler Agrarkonzerne, Banken oder Pensionskassen, sich unter Mithilfe nationaler Eliten riesige Landflächen zu sichern. Globale Schätzungen sprechen von etwa 50 Millionen bis 220 Millionen Hektar Land. Zum Vergleich: Die gesamte EU hat etwa 180 Millionen Hektar Ackerland.

Den Kleinbäuerinnen und -bauern wird damit regelrecht der Boden unter den Füßen weggezogen. Sie verlieren die Möglichkeit, Nahrung für sich selbst und den Verkauf anzubauen. Regierung und Investoren versuchen zwar, Landnahmen als Strategien der Armutsbekämpfung und Entwicklung des ländlichen Raums zu verkaufen. Fakt ist jedoch, dass neben massiven Menschenrechtsverletzungen wie brutalen Vertreibungen sehr viel weniger Menschen Arbeit finden als zuvor in den bäuerlichen Strukturen. Viele Betroffene sind gezwungen in die wachsenden Slums der Städte abzuwandern und dort tagtäglich ums Überleben zu kämpfen. Wie Charlotte Dreger aufzeigte, sind auch deutsche und europäische Konzerne am Landgrabbing beteiligt.

Als weitere Ursachen für chronischen Hunger in Afrika nannte die Referentin die  europäische Agrarpolitik mit ihren Subventionen und die in jüngerer Zeit vermehrt entstandenen öffentlich-privaten Partnerschaften in der Entwicklungszusammenarbeit, die letztlich weniger der Nahrungssicherung in den Ländern Afrikas als dem Profit der beteiligten westlichen Unternehmen und nationalen Eliten dienten.

Die Frage, ob unser individuelles Konsumverhalten viel zur Beseitigung von Hunger beitragen könne, wurde in der Diskussion eher zurückhaltend bejaht. Ausschlaggebend sei eine radikale Veränderung der globalen Wirtschaftsstrukturen, für die es einschneidende politische Entscheidungen brauche. Allerdings sei dafür auch der Wille der Wählerinnen und Wähler erforderlich, und dafür seien Informationsveranstaltungen wie das GRÜNE Frauenfrühstück genau richtig, schloss Charlotte Dreger unter dem Beifall der anwesenden Frauen.

Und da gab es, trotz des schwerwiegenden Themas, auch viel Raum für heitere Begegnungen, für die Pflege alter und das Knüpfen neuer Kontakte (die Gäste waren aus Bammental, aber auch aus umliegenden Gemeinden und sogar aus Heidelberg gekommen) und nicht zuletzt ein reichhaltiges, liebevoll zubereitetes Frühstück.

Der Ortsverband weist alle interessierten Frauen schon einmal darauf hin, dass das Frauenfrühstück 2018 wieder für die Zeit um den internationalen Frauentag (8. März) herum geplant ist. Themenwünsche werden gerne entgegengenommen. Kontakt unter http://www.gruene-bammental.de.

(jgm)