Grüne Bammental

Kreisverband Kraichgau-Odenwald

Das Thema „Ernährung und Handlungsmöglichkeiten vor Ort“ stand im Zentrum des letzten Treffens der Bammentaler GRÜNEN. Der Vorsitzende des Ortsverbands Peter Dunkl machte deutlich, wie vielschichtig das Thema Ernährung zu betrachten ist. Der Landwirtschaft pauschal vorzuwerfen, sie produziere nicht mehr im Einklang mit der Natur, sei zu kurz gedacht, so der Gemeinderat. Man dürfe nicht übersehen, dass auf den Landwirten ein erheblicher Druck laste. Selbst verantwortungsvolle Bauern hätten es schwer, auf Pestizideinsatz und Massentierhaltung zu verzichten, weil sie gezwungen seien, möglichst billig Masse zu liefern.

In der anschließenden Diskussion wurde hierfür u.a. die geltende EU-Förderpolitik verantwortlich gemacht, die bisher die industrielle Agrarproduktion einseitig bevorzugt. Landwirte, die einen ökologischeren Anbau mit Artenschutz oder eine artgerechtere Tierhaltung betreiben wollen, erfahren deutlich weniger Unterstützung. Dazu komme die Erwartung vieler eher preis- als qualitätsbewusster Verbraucher, für ihre Ernährung nicht viel Geld ausgeben zu müssen. Billige Massenware wiederum führe zum großzügigen Wegwerfen von Lebensmitteln. In Frankreich gebe es inzwischen ein Gesetz, erläuterte Horst Rehfuss, das dem Handel und der Gastronomie verbiete, Lebensmittel zu vernichten. Anders in Deutschland, wo jüngst ein Gericht entschied, dass „Containern“ eine Straftat ist. Zwei junge Frauen wurden verurteilt, weil sie mit ihrer Aktion auf die gewaltige Menge von Lebensmitteln hinweisen wollten, die vor allem wegen der viel zu knappen Mindesthaltbarkeitsangaben im Müll landen, obwohl sie durchaus noch genießbar sind.

Handel bei Kennzeichnungspflicht und Verpackungsflut weiter als Politik
Für die Nahrungsmittelindustrie zähle der Umsatz und nicht vorrangig die Gesundheit der Verbraucher oder gar das Wohl von Tieren, wurde argumentiert. Designerfood mit einem hohen Zuckeranteil und einer Menge weiterer Zusatzstoffe führe zu einer deutlichen Zunahme ernährungsbedingter Erkrankungen, ebenso wie viele Fertigprodukte, die sich wegen Zeitmangel und Bequemlichkeit beim Verbraucher großer Beliebtheit erfreuten.

Für eine gesunde Ernährung sei eine Kennzeichnungspflicht von Inhaltsstoffen und Herkunft dringend erforderlich, war man sich einig. Der Verbraucherministerin Julia Klöckner (CDU) warf Gemeinderätin Rehfuss vor, unter dem Einfluss der Nahrungsmittelindustrie und des Bauernverbands auf Freiwilligkeit zu setzen und so in vielerlei Hinsicht die weitergehenden Vorstellungen von Verbraucherschützern und EU-Institutionen auszubremsen, nach dem Motto: Selber Schuld, wenn die Verbraucher so bequem sind. Sogar die Handelsketten seien bei der Kennzeichnung wie auch bei der irrsinnigen Verpackungsflut in ihren Überlegungen schon einen Schritt weiter als die Koalitionsregierung.

Einfluss unserer Essgewohnheiten auf Klima und Flüchtlingsbewegungen
Es dürfe auch nicht übersehen werden, dass unsere Ernährungsgewohnheiten Auswirkungen auf das globale Klima und die Flüchtlingsbewegungen haben. Mit unserem hohen Fleischkonsum und der daraus resultierenden Massentierhaltung tragen wir zur Zerstörung des Regenwalds und zum CO2-Ausstoß bei. Ein Viertel der Treibhausemissionen in Deutschland entstehen im Nahrungsmittelsektor. Billigschnitzel hätten durchaus ihren Preis, wenn auch nicht an der Ladenkasse, meinte eine Anwesende.

Auf Dunkls etwas provokante Frage, ob und wo bei diesem Thema denn Aufgaben für GRÜNE vor Ort, insbesondere im zukünftigen Gemeinderat, liegen könnten, wurde rasch deutlich, dass die meisten der angesprochenen Probleme nur auf bundespolitischer oder gar EU-Ebene und nicht durch Anträge im Gemeinderat angegangen werden können. Dennoch wurden Ideen entwickelt, wie das Thema auch vor Ort angepackt werden könnte.

Trotz mangelnder Zuständigkeit auch Handlungsmöglichkeiten vor Ort
Sara Murswiek, GRÜNE Spitzenkandidatin zur Gemeinderatswahl, erklärte, sie halte wenig von Appellen, die ja oft wirkungslos verhallten. Vielen Verbrauchern seien die Zusammenhänge durchaus bekannt und das Interesse an gesunden, nachhaltig hergestellten Lebensmitteln sei auch jetzt schon groß. Oft fehle es aber an Information z.B. darüber, wo naturnah hergestellte Lebensmittel aus regionaler Erzeugung zu bekommen sind. Hier sollten die GRÜNEN sich einbringen. Nur wenige Bammentaler*innen wüssten, dass es dienstags im Scheid‘schen Hof einen Marktstand mit regionalen Demeterprodukten gibt. Auch mit Besichtigungen bei regionalen Erzeugern könne mehr Transparenz über Erzeugungsbedingungen und die Sorgen der Landwirte erreicht werden. Dazu ergänzte ein Teilnehmer: Es sei wichtig auf die Landwirte zuzugehen, auch wenn sie nicht alle Biobauern seien. Verbraucher müssten den verlorenen Bezug zur Erzeugung der Nahrung wiederbekommen können.

Zudem wurde kritisiert, dass der Wirrwarr der vielfältigen Labels zu großer Verunsicherung beitrage. In diesem Zusammenhang wies eine Anwesende auf zwei Kinofilme hin: „Die Grüne Lüge“ zu genau diesem Thema und „Essen im Eimer“ über die gewaltige Verschwendung von Nahrungsmitteln in Deutschland. Es wurde vorgeschlagen, beide Filme demnächst in Bammental öffentlich zu zeigen.

Zur Frage, wie sich die Vernichtung von Nahrungsmitteln vor Ort verringern ließe, gab es einige mehr oder minder umsetzbare Ideen. Auf jeden Fall soll geklärt werden, was Bammentaler Geschäfte an die Tafel abgeben. Außerdem will man dafür sorgen, dass durch entsprechende Kriterien bei Ausschreibungen für Essenslieferanten in kommunalen Einrichtungen wie Kita und Mensa nur gesunde Lebensmittel zum Einsatz kommen und verstärkt Ernährungsberatung angeboten wird. Bezüglich der ökologischen Bilanz von Plastiktüten gegenüber Papiertüten konnte keine einfache Antwort gefunden werden. Einerseits landen unsere Plastiktüten bei geordneter Entsorgung ja nicht in den Mägen der Meeresfische, meinte ein Teilnehmer, andererseits tragen auch unsere Plastiktüten und Papiertüten zur Ressourcenverschwendung bei. Als Beitrag zur Verringerung des Verpackungsmülls könne man über die Regelungen aufklären, die beim Einkauf mit eigenen Gefäßen gelten.

PD


 


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