Grüne Bammental

Kreisverband Kraichgau-Odenwald

Bei der letzten Sitzung des Ortsverbands der Grünen Bammental wurde intensiv das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ diskutiert. Worum geht es?

Am 24. September 2019 startete die Initiative proBiene dieses Volksbegehren mit folgenden Forderungen:

  • 50 % Ökolandbau bis zum Jahr 2035
  • 100 % der Staatsflächen sollen ökologisch bewirtschaftet werden
  • Halbierung der Pestizidmenge bis 2025, bzw. Pestizideinsatz nur noch auf ca. der Hälfte der bisher bewirtschafteten Flächen erlaubt (überhaupt nicht mehr in Landschaftsschutzgebieten)
  • Erweiterung des Biotopverbundes
  • Extensivierung der Wiesenbewirtschaftung

Völlig unstreitig ist, dass es in Sachen Artensterben dringenden Handlungsbedarf gibt. Seit 1998 haben wir nach Schätzungen in Deutschland 76% der Insekten verloren,

und damit wichtige Bestäuber unserer Kultur- und Wildpflanzen. In der Folge nimmt auch die Zahl der Vögel ab, weil ihnen die Nahrungsgrundlage fehlt. Grundsätzlich ist das Anliegen des Volksbegehrens daher zu unterstützen.

Aber macht es Sinn, eine Halbierung des Pestizideinsatzes bis 2025 zu fordern, mit dem die Landwirte, auch Bio-Landwirte, erhebliche Probleme haben? Bio-Landwirte dürften in Landschaftsschutzgebieten auch kein Kupfer mehr einsetzen, das sie häufig als Pflanzenschutzmittel verwenden.

Tatsache ist: Die drei für Insekten unmittelbar gefährlichen Pestizide (Neonikotinoide) sind seit April 2018 EU-weit verboten.

Richtig ist außerdem: Viele Totalherbizide (z.B. Glyphosat) schädigen zwar nicht direkt die Bienen, vernichten aber Kräuter und Pflanzen, von denen sich Insekten ernähren könnten. Trotzdem kann man schlecht dem Pflanzenschutzmittel die Schuld daran geben, denn Landwirte würden Unkraut sonst eben auf andere Art entfernen (z.B. durch Pflügen).

Entscheidend für das Insektensterben ist eher, dass Insekten insgesamt zu wenig Nahrung in unserer immer monotoneren Agrarlandschaft finden – immer weniger Grün, immer weniger Ackerrandstreifen, immer weniger Flächen mit Wildblumen.

Wichtig ist daher:

  • so wenig Pestizideinsatz wie möglich, aber vor allem: finanzielle Anreize für Landwirte, die Teile ihrer landwirtschaftlichen Fläche brach liegen lassen und als Blumenwiese den Insekten zur Verfügung stellen. Hierfür müsste dringend die EU- Förderung der Landwirtschaft weiter reformiert werden.

Aber auch:

  • Weniger Versiegelung der Landschaft (wo ist ein neues Baugebiet wirklich notwendig?)
  • Möglichst insektenfreundliche Bewirtschaftung von Privatgärten und öffentlichen Grünflächen in Städten und Gemeinden (Stichwort Schottergärten).

Das angelaufene Volksbegehren greift mit seinen Forderungen u.E. zu kurz, die Forderung der Halbierung der Pestizidmenge ist für einen Großteil der Landwirtschaft existenzbedrohend und in ihrer Wirksamkeit fraglich. Deshalb war man sich im Ortsverband einig: In dieser Form nicht unterschreiben!

BS

PS: Inzwischen hat die Landesregierung nach Beratungen mit Umweltverbänden einen alternativen Gesetzentwurf angekündigt. Daraufhin wurde das Volksbegehren zunächst ausgesetzt, es werden derzeit keine Unterschriften mehr gesammelt.


 


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