Statement der Gemeinderatsfraktion Bündnis90/Die Grünen Bammental zur Vergabe der Tiefbauarbeiten Radweg Gaiberg–Bammental

Sehr geehrter Frau Bürgermeisterin Müller-Vogel
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Karl,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,


wir als Grüne Fraktion unterstützen ausdrücklich den Ausbau der Radinfrastruktur und würden dem Radweg zwischen Gaiberg und Bammental gerne zustimmen. In der vorliegenden Planung sehen wir jedoch weiterhin offene Fragen und Sicherheitsbedenken, die aus unserer Sicht nicht ausreichend berücksichtigt wurden.


Sicherheit und Nutzungskonflikte
Der Weg wird nicht ausschließlich dem Radverkehr dienen, sondern weiterhin auch von forstwirtschaftlichen Fahrzeugen genutzt. Zudem ist unklar, wie Durchgangsverkehr wirksam unterbunden werden soll. Eine Asphaltierung – insbesondere im Bereich des Weihwiesenwegs – kann höhere Geschwindigkeiten von Radfahrenden wie auch Kraftfahrzeugen begünstigen. Dadurch steigen potenziell die Konflikte zwischen Radfahrenden, Fußgängerinnen und Fußgängern sowie möglichem motorisiertem Verkehr. Bei Laub- und Schneebefall kann eine Asphaltierung gegenüber dem Istzustand nachteilig sein.
Es ist daher fraglich, ob tatsächlich ein Sicherheitsgewinn entsteht – oder ob durch höhere Geschwindigkeiten das Risiko sogar zunimmt. Eine echte Verbesserung würde aus unserer Sicht eine bauliche Entschärfung des Steilstücks im oberen Bereich erfordern, etwa durch Terrassierung oder Reduzierung des Gefälles vor bzw. gemeinsam mit dem neuen Anschluss nach Gaiberg. Ob und mit welchem Ergebnis dies geprüft wurde, ist uns nicht bekannt.


Sinnhaftigkeit und Alternativen
Die Petition mit rund 1.000 Unterstützenden wurde nach unserem Eindruck nicht ausreichend berücksichtigt. Weder wurde eine alternative Streckenführung erkennbar geprüft noch wurden die Sicherheitsbedenken – insbesondere von Fußgängerinnen und Fußgängern – angemessen aufgegriffen. Eine Alternativroute könnte zudem kostengünstiger sein.


Kosten und Transparenz

Für den Lückenschluss auf Gaiberger Gemarkung – der wichtigste Teil des Projekts – wurden 2023 Kosten von 63.000 Euro genannt. Nun liegt die Kostenschätzung bei über 1 Mio. Euro. Für die Gemeinderäte ist weiterhin unklar, wie sich die Kosten verteilen und welche Kosten, nach heutigem Stand, für alternative Lösungen anfallen würden. Insbesondere auch Erschließungs- vs. Unterhaltskosten der unterschiedlichen Lösungen. Trotz mehrfacher Nachfrage liegen uns seit drei Jahren keine belastbaren Vergleichszahlen vor. Eine fundierte Entscheidung ist so nicht möglich.


Unsere Erwartungen
Sollte das Projekt weiterverfolgt werden, erwarten wir:

  • ein belastbares Sicherheitskonzept mit klarer Regelung und bevorzugt Trennung der Verkehrsarten
  • die bauliche Entschärfung kritischer Steilstücke
  • einen Belag, der bei allen Witterungen ausreichende Sicherheit bietet
  • eine Absicherung gegen unzulässige Nutzung durch Kraftfahrzeuge

Da diese Voraussetzungen derzeit nicht erfüllt sind und wesentliche Fragen offenbleiben, können wir nicht für die Vergabe der Tiefbauarbeiten stimmen.
Kein Radweg ist keine Option!

Wir möchten jedoch nicht riskieren, dass sich durch den Ausbau die Gefahr für Leib und Leben der Nutzerinnen und Nutzer erhöht. Wir setzen auf konstruktive Zusammenarbeit und sinnvolle Nachbesserungen zur tatsächlichen Verbesserung der Sicherheit und unter Einhaltung des aktuellen Zeitplans.


Gemeinderatsfraktion Bündnis90/Die Grünen Bammental